Nach den ersten, mehr als beschämenden drei Tagen, startete ich mit letzter Kraft in den Donnerstag. Ich war mutlos, denn ich begriff allmählich, dass ich mir ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen konnte. Langsam fragte ich mich auch, ob es wirklich machbar ist vollkommen ohne Internet zu leben. Schließlich bin ich damit aufgewachsen, auch wenn in meiner Kindheit die Router noch ganz andere Geräusche gemacht haben und sich damals noch nicht alles so leicht finden lies wie heute.

Trotzdem schaffte ich es, das Handy über den Donnerstagvormittag relativ unberührt neben mir liegen zu lassen und der PC blieb, wie die letzten Tage zuvor auch aus. Mini-Me kränkelte und ich hatte kaum Zeit um mich um andere Dinge zu kümmern. So fiel mir das auferlegte Internetverbot auch nicht sonderlich schwer. Erst als Mini-Me’s Papa anrief und erklärte, dass er heute leider Überstunden machen müsse und erst später nach Hause käme, bekam ich Lust auf Abwechslung. Als er dann endlich Zuhause war und mir ein paar Minuten das Kind abnahm, legte ich ein Veto ein und ging an den PC. Einfach mal um abzuschalten.

Kein Geschrei hören und an nichts denken müssen

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war dann auch noch sehr anstrengend, denn Mini-Me wachte sehr oft auf und weinte im Schlaf. So begann der Freitagmorgen dementsprechend später und Mini-Me und ich, waren beide ziemlich müde. Das Kränkeln wurde zum Zahnen, das Zahnen wurde zum Schreien und meine Nerven wurden zu hauchdünnen Fäden. Über den Tag, hatte ich keinen Gedanken an Handy und Co. verschwendet. Ich war viel zu sehr mit dem meckernden Kind beschäftigt, als das ich Zeit für etwas anderes gehabt hätte. Erst als Mini-Me’s Papa schrieb, dass er auch heute wieder etwa zwei Stunden später kommen würde, sehnte ich mich nach Entspannung. Und zwar in Form von Ablenkung. Kein Bad, kein gutes Buch. Einfach schreiben und vielleicht bei Amazon stöbern. Als er dann endlich zu Hause war, lag Mini-Me auch schon fast im Bett. „Heute Abend gehört der PC mir“, kündigte ich ihm genervt an.

Somit war auch an diesem Abend beim Internetverbot gebrochen

Als ich Samstagmorgen aufwachte, war mir der Selbstversuch zunehmend egal. Ich räumte glücklich und zufrieden mein scheitern ein und genoss die paar Minuten am Handy. Erst als Mini-Me wach wurde legte ich es zur Seite.

Meine Erkenntnis:

Auch wenn ich den Selbstversuch vorzeitig beendet habe, habe ich einiges daraus mitgenommen. Erstens: Ich bin inkonsequent. Das wusste ich aber auch schon vorher und kann damit gut leben. Zweitens: Das ich mir ein Leben ohne Internet zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen kann. Hier bin ich hin- und hergerissen und weiß nicht ob ich das gut oder schlecht finden soll. Einerseits gehört das Internet und alle Annehmlichkeiten, die ich dadurch habe, schon zu meinem Leben dazu, andererseits, finde ich diese Form von Abhängigkeit gegenüber einem Medium grenzwertig. Ich hätte nicht gedacht, dass es von Tag zu Tag schwieriger für mich werden würde. Trotzdem kann ich diesen Selbstversuch nur empfehlen. Einfach um für einen selbst herauszufinden, wie ein Leben ohne Internet so ist…