Helikopter Eltern

Ja, ich oute mich an dieser Stelle: ich bin eine Helikopter-Mutter. Noch bevor ich das Kind überhaupt gebar, hatte ich in der Schwangerschaft 2 oder 3 Mal wirklich Angst um mein kleines Baby im Bauch. Das erste Mal noch innerhalb der ersten drei Monate, da ich nämlich plötzlich Blut in der Unterhose hatte. Natürlich machten wir uns sofort auf den Weg ins Krankenhaus. Doch alles gut. Das Kleine zappelte froh vor sich hin. Danach hatte ich ein paar recht angenehme Monate vor mir, bis zu dem Tag, an dem ihn meine damalige Ärztin als „zu klein“ und nicht regelrecht entwickelt eingestuft hatte. Die folgenden Tage waren eine Qual. 

Eine schlimme Zeit. Eine Zeit, voller Hoffen, Angst, Sorgen und Bangen. All das bestimmte in dieser Zeit mein Leben. Doch als herauskam, dass dieser kleine süße Wicht augenscheinlich kerngesund war, wurde ich ruhiger…

Als er dann endlich geboren war, wurde ich mit der letzten Wehe Vollblutmama. Doch nach und nach spürte ich, wie meine Angst um dieses wundervolle Geschöpf immer größer wurde. Sobald er anfing zu schreien, stieg mein Puls und ich wurde nervös. Ich wollte ihn sofort trösten. Egal was es kostete. Keinen Augenblick wollte ich dieses kleine Menschlein leiden und schreien lassen.

Ich bin doch seine Mama und wollte ihm helfen.

Mein Umfeld schaute mich deshalb oft etwas befremdlich an. Gerade mein Partner war von dieser Art des umsorgen sehr genervt. Mit diesem Verhalten nahm ich ihm nämlich die Möglichkeit, dass auch er unser Kind trösten konnte. Ich, die Helikopter-Mum fühlte mich komplett verantwortlich für unser Baby. Vielleicht hing dieses Gefühl auch damit zusammen, dass Papa nach der Geburt sehr überfordert und oft nicht präsent war. Wir stritten viel, er fuhr fort und so blieb ich mit Kind allein zurück. So ist es nicht wunderlich, dass der Kleine zu 85% zu mir will. Mama ist seine Heldin und es gibt nichts und niemanden, der ihn auch nur ansatzweise so bespaßen, aufheitern, trösten oder ablenken könnte wie ich. Ich ziehe ihn an, ich spiele mit ihm, ich gehe mit ihm raus, ich kuschle mit ihm, ich tanze mit ihm, ich koche mit ihm, ich esse mit ihm. All das sind meine Aufgaben.

Papa würde zwar gern mehr Anteil an seinem Sohn haben, aber Mini-Me lässt das nicht zu. Er ist es eben auch nicht anders gewohnt. Klar spielt er nach Feierabend auch mal mit Papa. Aber nur solange ich in der Nähe bin. Gehe ich fort, so rennt er mir in Windeseile nach.

Ich, die Helikopter-Mama?!

Sind Mini-Me und ich zu Besuch bei Freunden, im Spielkreis oder draußen im Freien, so ist er das wohl unabhängigste kleine Kerlchen das man sich vorstellen kann. Er läuft oder rennt herum, untersucht Steine, Blumen oder Blätter, oder aber er betrachtet andere Menschen. Er ist frei und offen. Aber wehe Papa oder Oma sind dabei, dann hängt Mini-Me fast nur an meinem Rockzipfel. Erst nach einer gewissen Zeit fasst er Vertrauen und geht auch ohne mich in die Prärie. Dies gilt aber nur fürs Freie. Sind wir in der Wohnung, so darf ich den Raum auf keinen Fall verlassen. Und wehe doch, dann beginnt er mich zu suchen und fängt nach kürzester Zeit an zu weinen.

Wie dem auch sei. Vielleicht ist das aber auch mit ein Grund, weshalb mir ein Propella gewachsen ist. Mini-Me ist mit seinem knappen eineinhalb Jahren motorisch so weit, dass ich ihn eigentlich keine Sekunde aus den Augen lassen dürfte. Er klettert auf die Couch, wirft sich aufs Bett, springt in die Dusche, klettert die Heizung, Regale, Tische oder Stühle hoch, dreht sich über den Boden, läuft rückwärts, und hat bei allem keine Angst.

Einerseits beeindruckend, andererseits eine besonders anstrengende Situation, für mich. Ich muss meine Augen ständig auf ihm haben, da er einfach noch nicht versteht, dass er sich dabei verletzen kann. Und ein Sturz aus einem Meter Höhe, ist für ein knapp 85cm-Kerlchen schon sehr gefährlich.

Vielleicht sollte ich lockerer sein und den Kleinen einfach mal fallen oder sich weh tun lassen…

Vielleicht… Ja, vielleicht sollte ich das wirklich. Aber ich kann es nicht. Noch nicht. Ich kann meinem kleinen Kind einfach noch nicht blind vertrauen wenn ich weiß, dass er keinerlei Gefahren einschätzen kann. Vielleicht bin ich entspannter wenn er älter ist und die Gefahren oder Risiken besser abschätzen kann, aber so klein wie er nunmal erst ist, habe ich ihn wie ein Luchs im Visier und passe auf, das er nicht fällt oder sich weh tut. Die Tatsache das er für sein Alter körperlich extrem weit entwickelt ist, lässt viele Leute (und mich manchmal auch) eben glauben, dass das Kind dies oder jenes schon kann. Schaue ich mir aber andere gleichaltrige Kinder an, dann merke ich wieder, dass er für dies und jenes einfach noch zu klein ist.

Wie seht ihr das? Kennt ihr diese Ängste um das eigene Kind oder würdet ihr euch sogar auch als Helikopter-Mutter bezeichnen?

Alles Liebe!
Eure Nina