Als ich vor Kurzem den herzergreifenden Artikel von Mama Juja gelesen habe, musste ich tatsächlich kurz innehalten. Mama Juja erzählt dort, wie sie rießige Schwierigkeiten mit ihrem ältesten Sohn hat und wie ihre Mama-Kind-Beziehung darunter leidet.

Ich kann gerade so gut nachempfinden, was Julia und ihr 4-jähriger Sohn mitmachen. Auch wenn Mini-Me noch lange keine 4 Jahre alt ist, ist er momentan einfach sehr schwer zu handeln… für mich

Ich versuche von Tag zu Tag nicht zu explodieren. Versuche Ruhe zu bewahren. Bete. Und bin für jeden Tag dankbar, an dem ich nicht ausgerastet bin.

Ich weiß das das Problem an mir liegt. Ich bin es. Nicht er. Er verhält sich vollkommen altersentsprechend. Will ausprobieren, lernen, verstehen. Ich bin diejenige, die sich schrecklich verhält. Denn ich habe manchmal einfach keine Geduld, keine Lust, keine Nerven.

Hinzu kommt das  schlechte Gewissen…

Ich kann die Zeit manchmal einfach nicht mehr genießen. Es ist zum Teil unsagbar anstrengend für mich. Manche Tage sind einfach nur noch eine Qual für uns. Ich trauere um die Zeit, in der ich ihn tagelang, wochenlang und sogar monatelang rund um die Uhr verliebt ansehen konnte… Eine Zeit, in der es keinen Alltag gab. In der er nicht auf Tische geklettert ist. Eine Zeit, in der er seinen Kopf nicht aus Wut gegen die Türe oder auf den Boden geschlagen hat. Eine Zeit, in der ich ihn nicht dreimal VOR dem Frühstück umziehen musste, weil er sich in einer Tour nass machte..

Das alles ist vorbei und ich vermisse sie sehr. Natürlich hat das Hier und Jetzt auch viel Schönes, aber mein kleines Baby vermisse ich trotzdem.

Schlechtes Gewissen – herein spaziert, die Tür ist offen…

Es gibt Tage, da nehme ich mir fest vor nicht zu explodieren und werde schon morgens laut. Es gibt Tage, da setze ich ihn einfach vor den Laptop, eine halbe Stunde, einfach so. Weil ich keine Lust habe mit ihm raus zu gehen oder weil ich telefonieren will/muss. Und sehe ich dann meinen kleinen Mann an, überkommt mich manchmal das schlechte Gefühl, ihn einfach mit blöden Kindersendungen vollrießeln zu lassen, nur damit ich meine Ruhe habe.

Aber nicht nur beim Thema Fernsehen bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Vor allem, wenn ich mal wieder meckere. Ich habe das Gefühl, ich meckere ständig. „Mach dies nicht, klettere bitte nicht darauf. Bleib hier…“ Der Ton ist rau, ja manchmal sogar genervt. Ich versuche zeitweise schon einfach zu singen… Ich singe ihm vor, was er nicht machen soll. Einfach damit ich nicht schon wieder etwas verbieten muss.

Wisst ihr was das Schlimme daran ist?

Eigentlich bräuchte ich gar nicht meckern. Ich bräuchte nicht schreien, nicht wütend sein. Denn er ist noch ein Baby. Ok, vielleicht schon ein Kleinkind, aber er weiß es nicht besser. Er ist von mir abhängig, denn ich habe die Ehre ihm diese Welt zu zeigen. Er kam ohne Werte auf diese Welt und ich darf sie ihm vermitteln. Manchmal fühle ich mich ihr gar nicht gewachsen, doch ich bin auch nur ein Mensch. Eine Mutter, die ihr Bestes gibt, aber selbst viele Fehler hat.

Ein Kind verhält sich immer nur so, wie es sein Umfeld vorlebt. Es sucht mit seinem Verhalten Aufmerksamkeit, Liebe, Schutz oder Grenzen. Ein Kind hat immer Gründe wieso es gerade so ist wie es ist. Niemals ist ein Kind „einfach so“ wütend oder aggressiv.

All das ist mir bewusst, doch auch ich habe mal schlechte Laune. Schlecht geschlafen, bin müde oder gereizt. Doch ich! bin die Mutter. Die erwachsene Person und muss mir immer vor Augen halten, dass mein Alltag, egal wie sehr ich manchmal von meinem Alltag genervt bin, seine Kindheit ist!

Ob das schlechte Gewissen nun immer gerechtfertigt ist, weiß ich nicht. Ich denke, oft machen wir Mütter uns selbst zu viel Stress. Wollen so und so sein. Wollen dies und jenes. Im Grunde wollen wir doch nur das Beste für unser Kind… Aber vergessen oft uns dabei.

Kennt ihr das mit dem schlechten Gewissen?

Alles Liebe! Eure Nina