Stillen in der Öffentlichkeit – Mein Beitrag zu Weltstillwoche.

Fast wie ein Freiheitsschlag, packe ich egal wo ich auch bin meine Brüste aus und stille mein Kind sobald es Hunger hat. Es ist mir auch egal wer oder was vor mir oder um mich herum ist.
In der Stadt, auf dem Balkon, beim Tierarzt, im Wald, auf dem Parkplatz, auf der Straße, einfach überall. Ich möchte mein Kind nicht hungern lassen, nur weil andere Menschen sich von meiner nackten Brust belästigt fühlen könnten.

Außerdem, bin stolz mein Kind zu stillen.

Fast noch stolzer bin ich, dass auch in der Öffentlichkeit und auch sonst überall zu tun. Irgendwie bekomme ich dabei eine imaginäre Hand auf die Schulter geklopft die mir sagt, dass ich eine gute Mutter bin.
– Damit will ich aber natürlich nicht sagen, dass Mütter die ihre Kinder aus welchem Grund auch immer, nicht (in der Öffentlichkeit) stillen, keine guten Mütter sind! –

Trotzdem gibt es mir ein gutes Gefühl.
Anfänglich war es auch für mich etwas ungewohnt, einfach mal blank zu ziehen und meine Brüste auszupacken. Mittlerweile ist es schon so normal für mich, dass ich mir darüber gar keine Gedanken mehr mache.

So auch neulich. Mein Partner, Mini-Me und ich waren mit dem Hund im Wald spazieren. Da ich dummerweise vorher nicht auf die Uhr geschaut hatte und wir genau in Mini-Me’s Mittagsschlafenszeit raus sind, bekam mein kleiner Schatz natürlich Hunger und würde extrem zickig, denn der Mittagsschlaf stand ja eigentlich an.
Weder unsere sonst so hilfreiche Fön-App half, noch knutschen, noch sonst etwas.

Mini-Me wollte zum einschlafen an die Brust und das sofort.

Also packte ich die Brust aus und legte mein Baby an. Da es plötzlich sehr windig war, hängte ich die Jacke um uns. Als es auf einmal wieder windstill wurde und die Sonne heraus kam, nahm ich die Jacke ab und ließ uns ein wenig besonnen.

Auf einmal bemerkte ich, wie eine Gruppe Radfahrer geradewegs auf und zu fuhr.
Vom Anblick einer stillenden Mutter mit blanker Brust, waren sie anscheinend so irritiert, dass es erstmal einen kleinen Zusammenstoß gab und zwei von ihnen auf dem Boden landeten. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Der Rest der Truppe schaute stur gerade aus und schaute erst zurück, als sie gefühlte 50m von uns entfernt waren.

Die zwei Unfallfahrer wollten sich partout nicht von meinem Partner hoch helfen lassen und stiegen beschämt auf ihre Räder und fuhren den anderen hinterher. Was für mich Normalität war, trieb ihnen die Röte ins Gesicht.

Erst da wurde mir wieder bewusst, dass stillen in der Öffentlichkeit anscheinend doch nicht für alle so normal ist, wie für mich.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es mehr Toleranz im Umgang mit stillenden Müttern in der Öffentlichkeit gibt und auch, dass Mütter die über das erste oder das zweite Lebensjahr des Kindes hinaus noch stillen, angenommen und nicht diskriminiert werden. Zwar bin ich bisher kaum Anfeindungen ausgesetzt gewesen, kenne aber genug Beispiele, in denen Frauen schief angeschaut wurden und sogar regelrecht verbal angegriffen wurden.

Nun würden mich eure Erfahrungen interessieren. Wie geht ihr mit diesem Thema um? Habt ihr ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht?
Ich freue mich auf eure Geschichten, zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit.

Alles Liebe.
Nina