– oder der Druck immer schreiben zu müssen.

Ich denke vielen Bloggern geht es ähnlich und auch sie fühlen sich oft unter Druck gesetzt, jeden Tag einen neuen Artikel veröffentlichen zu müssen. Was mir anfänglich noch Spaß gemacht hat, ist mittlerweile einer gewissen Last gewichen. Ich bin zeitlich nicht flexibel und der Tag ist auch nicht so lang, dass ich jeden Abend noch einen Artikel schreiben kann. Im Gegenteil. Oftmals sage ich Verabredungen ab, um nochmal den ein oder anderen Artikel schreiben zu können. Aber nicht nur Verabredungen leiden darunter, eigentlich hat es unser ganzes Leben verändert. In der wenigen freien Zeit dir mir am Tage bleibt, versuche ich zu schreiben. Oftmals brauche ich aber mehrere Tage um einen Artikel fertig zu bekommen, da das Kind schreit, der Hund dringend raus muss, dass Essen fertig ist oder ich nach Tagen das duschen, dem schreiben dann doch vorziehe.

Irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich das eigentlich mache? Was will ich damit erreichen?

Jeder Blogger möchte natürlich Leser gewinnen. Sonst hätte das bloggen ja gar keinen Sinn. Aber wie bekommt man Leser? Die Konkurrenz ist groß und die Themen sind oftmals auch ausgelutscht. Ein Alleinstellungsmerkmal zu finden ist bei der Bandbreite an Blogs schwierig. Man muss lange dabei sein, treue Leser haben und das ein oder andere Gewinnspiel, ist auch nicht ganz unwichtig.

Ich selbst bemerke, was für ein Druck und Konkurrenzkampf in den „Sozialen Medien“ stattfindet. Täglich begrüßt Frau X ihre Leser, Frau Y hingegen, postet täglich unzählige Bilder von Familienausflügen oder ihren Kindern. Andere wiederum erzählen abends im Detail! von ihren Erlebnissen am Tag und wiederum andere veröffentlichen Videos und präsentieren sich so der Welt.

Und was mache ich?

Ich versuche einigermaßen präsent zu sein und soweit es geht, jeden zweiten Tag Artikel zu posten. Auch das ein oder andere Bild oder einen interessanten Post, teile ich mal, aber das war es dann auch schon. Ich habe kein Twitter, kein Instagram und bin auch nicht auf YouTube zu finden. Ich veröffentliche keine Bilder von meinem Kind, keine anderen Bilder von mir und auch nicht von meinem Partner. Und auch sonst zeige ich dem Leser nicht allzu viel privates.

Meine Leser kennen mich, aber ich kenne meine Leser nicht. Ich weiß nicht wie ihr ausseht, weiß nicht worüber ihr euch freut oder worüber ihr euch ärgert. Ich kenne nicht deine Nase, weiß nicht wie du zu deiner Schwiegermutter stehst, ob du sie magst, ob sie dir gefällt, ob du gerne kochst, ob du gerne isst oder oder oder… Und das ich nur wenige über mich preisgebe, ist mir wichtig. Ich möchte nicht jedem X-Beliebigen, mein Mittagessen zeigen. Auch nicht mein Lieblingscafé und schon gar nicht mein ganzes Zuhause. Wenn fremde Menschen an meiner Haustüre klingeln, lasse ich schließlich auch nicht jeden herein. Ich finde es schade, dass diese Art von Voyeurismus aber heute schon dazugehört und Plattformen wie beispielsweise Facebook, so etwas nur verstärken.

Der Druck steigt, immer neue Artikel schreiben und private Dinge zeigen zu müssen, da man sonst weniger Leser bekommt.

Will der Leser heute wirklich so viel Einblick? Wollt ihr das wirklich? Ich verstehe ja, dass das Leben anderer schon ein wenig spannend ist. Ich lausche auch schon mal an der Tür, wenn die Nachbarn sich streiten, aber ich lasse ihnen auch ihre Privatsphäre und möchte nicht die intimsten Dinge erfahren.

Klatsch- und Tratschzeitschriften werden heute viel weniger gelesen als noch vor fünf oder gar zehn Jahren. Ein Grund sind meiner Meinung nach die „(A-)Sozialen Medien“. Hier kann sich jeder darüber informieren welchen Schulabschluss die Schwester von dem Nachbarn meiner Tante hat oder wann die Tochter vom Metzger ihren Mann geheiratet hat.
Traurig, dass es so viele Menschen öffentlich machen und jeden Hinz und Kunz an ihrem Leben teilhaben lassen. Oft sehe ich Leute die über 500 „Freunde“ haben. Findet ihr es gut, dass diese Menschen alles von euch wissen? Nun ja, dass soll jedem selbst überlassen sein.

Ich finde es trotzdem schade und höchst bedenklich, wie sich dieser „Trend“ noch entwickeln wird.

Aus dem Grund, werde ich mir ab jetzt weniger Stress machen. Mein Leben mehr genießen und nicht jede freie Minute nur dem Blog zu widmen. Ich bin mir sicher, vielen anderen geht es ähnlich. Vielleicht fühlt sich der ein oder andere angesprochen und kommt zum nachdenken, dass die Welt da draußen, doch eigentlich viel schöner ist, als jeder Blog der Welt. Nicht das man sich in ein paar Jahren darüber ärgert, 10.000 Follower zu haben, aber kaum Leute im echten Leben, die mit einem gemeinsam das Leben bestreiten.