Seit unser Kind auf der Welt ist, mache ich mir zunehmend Gedanken darüber, ob ich Mini-Me in den Kindergarten stecken möchte oder nicht. Nicht weil ich mein Kind nicht abgeben kann, sondern weil ich es nicht unbedingt will. Zumindest nicht in Hände, in die mein Kind gegebenenfalls nicht gut aufgehoben ist. Diese ersten Jahre sind so wichtig für mich und mein Kind, dass ich sie nicht fremden Menschen, deren soziale Kompetenz ich nicht beurteilen kann, einfach blind anvertrauen will. Wer gewährleistet mir, dass mein Kind bei einer fremden Person, bei der es nie und nimmer diese Liebe und Geborgenheit erhalten wird, wie von mir oder einem anderen Teil der Familie, gerade das bekommt, was es braucht?

Ich spreche hier nicht von Essen oder Trinken

Es geht auch nicht um eine spezielle Förderung oder einen Bildungsplan. Es geht vielmehr darum, dass mein Kind so sein kann wie es ist. Das es das bekommt, was es braucht. Ich und mein Partner haben gewisse soziale aber auch politische Ansichten, die andere Menschen vielleicht nicht unbedingt alle vertreten. Wieso soll ich meinem Kind denn ein anderes Weltbild zeigen, wenn ich es doch selbst betreuen kann?

Natürlich will ich meinem Kind, keine Kontakte vorenthalten – Im Gegenteil

Ich möchte meinem Kind die vielfältigsten Dinge mit auf den Weg geben. Ich möchte das es in einer altersgemischten Gruppe groß wird. Es soll sich ausprobieren können. Kinder brauchen aber nicht nur andere Menschen um zu lernen, sondern auch Tiere. Ich möchte meinem Kind die Möglichkeit geben, sich nicht nur einmal die Woche, sondern jeden Tag oder wann immer wir möchten, sich um Tiere kümmern zu können. Mein Kind soll die ersten Jahre nach seinem biologischen Rhythmus leben dürfen und nicht geweckt werden um pünktlich im Kindergarten sein zu müssen. Das muss es später noch lange genug machen.

Natürlich muss ich dazu sagen, dass ich das Glück habe, dass wir es uns finanziell – noch – leisten können, dass ich nicht arbeiten gehe. Wie das in ein paar Jahren aussehen wird, kann ich derzeit noch nicht beurteilen, aber bisher muss ich es nicht und bin sehr sehr dankbar dafür.

Wie stelle ich mir ein Kindergarten-freies Leben vor?

Seit einiger Zeit, gibt es viele Eltern mit ähnlichen Ansichten und immer mehr Eltern „erziehen“ ihre Kinder daheim.
Auch bei uns soll es vermutlich so werden. Da wir weitere Kinder planen, werde ich, so ist es zumindest geplant, erstmal Hausfrau und Mutter bleiben und ggf. ein paar Stunden die Woche von Zuhause aus arbeiten.

Nur als kurze Anmerkung: Das Hausfrauen- und Mutterdasein wird hier zu Lande leider alles andere als Wert geschätzt! Ich finde das sehr schade, denn es ist eine hohe Leistung, ein Kind groß zu ziehen.

In unserer Umgebung gibt es ein paar Kindergartenfrei-Gruppen, mit denen ich mich zusammen schließen möchte und mit denen wir uns mehrmals die Woche treffen könnten. So haben die Kinder Kontakt zu anderen Kindern und auch die Eltern können sich über etwaige Probleme austauschen. Einen Tag die Woche wird es einen Oma-und-Ekelkind-Tag geben.

Ihr seht, eine gewisse Struktur wird es trotzdem geben. Diese ist nämlich wichtig für Kinder. Besonders wichtig ist mir aber das Spielen. Mein Kind soll spielen, spielen und nochmals spielen – und zwar frei. Ohne pädagogische Konzepte oder Regeln. Es soll klettern, hüpfen, laufen, singen, tanzen, lachen, weinen, toben, musizieren, kochen, backen, basteln, kuscheln, schlafen, etc. und das alles, dann wann es, es möchte.

Wenn ich natürlich merken sollte, dass meinem Kind etwas fehlt, dass es gern in den Kindergarten gehen will oder ich meinem Kind nicht mehr gerecht werden kann, werde ich natürlich alles daran setzen, dass es meinem Kind gut geht und werde versuchen, einen Platz in einer Kinderbetreuung oder in einem Kindergarten zu bekommen.

Wie ist eure Meinung zum Thema Kindergartenfrei? Erzieht jemand von euch die Kinder Zuhause?

Alles Liebe
Nina