Mein Handy war vor kurzem kaputt und ich konnte mir nichts besseres vorstellen. Was anfänglich ein Schock war und mich tief durchatmen lies, war das Beste was mir passieren konnte. Ja, ich sehe es sogar als Geschenk an. Ich konnte nicht mehr telefonieren, keine SMS schreiben und nur Zuhause im WLAN im Internet surfen.
Klingt für viele erstmal erschreckend, doch es ist im Prinzip genau das, wofür ich gebetet habe. Ich habe dafür gebetet, dass ich endlich mal wieder ohne Handy leben kann. Nicht ständig das doofe Ding in der Hand halten und auch nicht zu jederzeit erreichbar sein. Einfach mal wieder spüren wie es sich anfühlt, ohne den ständigen Druck immer erreichbar zu sein.

Es geschah letzte Woche…

Ich war gerade auf dem Weg zur meiner Oma, als ich plötzlich kein Netz mehr hatte. Anfangs suchte ich die Ursache an den hohen Bäumen die um uns herum standen und dem dadurch möglicherweise schlechten Handyempfang. Doch als nach mehreren Stunden immer noch kein Netz zu finden war, bekam ich Zweifel. Ich schaltete das Handy also mehrere Mal an und wieder aus, aber es passierte nichts.

So fuhr ich gegen Nachmittag zurück nach Haus und ging schnurstracks in den nächsten Handyladen. Dort erklärte ich dem netten Mann, was mein Handy für Sperenzien machte. „Haben Sie es schon mal versucht aus und wieder ein zu schalten?“, fragte er mich. „Klar, passiert aber nichts“, gab ich zurück und gab ihm mein Handy in die Hand.

Der gute Mann nahm es, schaltete es aus, schaltete es wieder ein – und Zack, mein Handy funktionierte wieder. Etwas baff bedankte ich mich bei ihm und wunderte mich gleichzeitig über mein Handy. Zuhause angekommen gab ich Mini-Me erstmal die Brust und entspannte kurz auch der Couch. Als ich auf die Uhr meines Handys schauen wollte, sah ich, dass ich schon wieder kein Netz hatte. Also zog ich mich und den Kleinen erneut an und fuhr direkt wieder in den Laden.

Diesmal wurde ich von seiner Kollegin beraten. Nach ein paar Minuten merkten wir, dass mein Handy eine leichte Wölbung hatte, da ich es meistens in der hinteren Hosentasche bei mir trug und es vermutlich so etwas ramponiert wurde. Die SIM-Karte fand so anscheinend keinen Kontakt und deshalb bekam ich kein Netz. Natürlich hatte die Dame schon die Lösung meines „Problems“ parat: ein neuer Vertrag (meiner würde passenderweise im Oktober sowieso ablaufen) samt neuem Handy. Da ich aber doch sehr sparsam bin, wollte ich Zuhause erst einmal sämtliche Tarife und Anbieter vergleichen und nochmal eine Nacht darüber schlafen.

Doch plötzlich hatte ich es nicht mehr eilig…

Was anfänglich ein kleiner Schock gewesen war, war nun also eine große Erleichterung. Da ich nur zuhause WLAN hatte, lies ich das Handy von nun an fast immer zuhause. Ich konnte draußen ja sowieso nichts damit anfangen. Lediglich bei „weiteren“ Strecken nahm ich es mit und auch nur, um im Notfall alle Nummern griffbereit zuhaben.

Ich spürte zunehmend die Freiheit die ich durch diesen Verlust erlangte. Was ich vorher nicht mehr spüren und mir auch nicht mehr vorstellen konnte, war plötzlich so leicht. Als dann ein paar Tage später der Display meines Handys auch noch zu Bruch ging, nahm ich es noch weniger in die Hand.

Ich bin sehr dankbar über diese Erfahrung, denn durch sie habe ich wieder einen gesünderen Umgang zu und mit meinem Handy. Ich lasse es weiterhin viel zuhause, mache weniger Bilder, führe noch weniger Telefonate und kam sogar ohne Navi von A nach B, was ich mir vorher nicht hätte vorstellen können. Doch es ist so einfach. Es ist eine richtige Erleichterung für mich. Ab und zu ertappe ich mich draußen dabei, wie ich in die Hosentasche greifen will und eben mal „schnell“ etwas im Handy nachschauen will. Zuhause angekommen habe ich es dann meist wieder vergießen und spüre, dass es nicht wichtig gewesen sein muss. Es ist eine enorme Erleichterung, denn ich habe mich schon lange darüber geärgert, dass ich so viel Zeit am Handy verbrachte.

Da ich zum Bloggen allerdings ein Handy benötige (ja, ich schreibe meine Texte auf dem Handy wenn der Kleine schläft), habe ich mir nun doch einen neuen Vertrag gemacht. Super Konditionen und sogar ein neues Handy gab es dazu. Nun bezahle ich monatlich 20€ weniger, habe ein neues Handy und habe eine wichtige Erfahrung machen dürfen. Trotz das ich nun ein neues Handy habe, lasse ich es viel zuhause und nutze es draußen kaum noch. Ich bin dankbar, dass ich gemerkt habe, dass es sich eingeschränkt mit Handy super leben lässt.

Habt ihr schon mal aufs Handy verzichtet? Wie ging es euch dabei?

Alles Liebe!
Nina