„Was? Du trägst ihn immer noch durch die Gegend damit er einschläft?“ Die Worte einer Nachbarin hallen durch meinen Kopf und ich frage mich ob es wirklich so „besonders“ ist, ein Kleinkind mit 2 Jahren noch in den Schlaf zu tragen.

Mini-Me und der alte Kinderwagen, standen ja bekanntlich schon von Anfang an irgendwie auf dem Kriegsfuß. Mini-Me und die Autoschale haben allerdings auch nie wirklich zusammen gepasst. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als meinen kleinen Engel stets und ständig zu tragen. Ehrlich gesagt empfand ich das aber auch nie als schlimm, denn für mich gab es wirklich nichts schöneres, als meinen Sohn den lieben langen Tag bei mir zu haben.

Das er jetzt mit über 2 Jahren immer noch gern getragen werden will, kann ich daher vollkommen verstehen. Ebenso, dass es sich mit Mama oder Papa, Brust oder Schnuller einfach besser (ein-)schlafen lässt.

„Der ist doch schon groß…“

Nicht selten höre ich (gern mal von fremden Menschen während des Einkaufs oder aber auch von Verwandten), dass Mini-Me doch schon groß ist und nicht mehr getragen werden muss…

Wenn ich so etwas höre, bekomme ich meist zwiespältige Emotionen. Einerseits würde ich der Kommentargebenden Person einfach mal den Mund zu kleben und sie mit ebenso blöden Fragen bombardieren. Andererseits würde ich gern Aufklärungsarbeit leisten – welche aber wahrscheinlich gar nichts bringen würde.

Geborgenheit und Nähe

Ein Mensch ist im besten Falle gut 10 Monate im Mutterleib bevor er “zur Welt“ kommt und hoffentlich der Mutter direkt auf den Körper gelegt wird. In diesen 10 Monaten, wird er getragen – von morgens bis abends. Es gibt keine Sekunde, an dem er nicht diese beruhigenden, wohltuenden und einfach überaus geborgenen Bewegungen der Mutter wahrnimmt. Mit der Geburt erfährt das kleine Menschlein dann einen krassen Umbruch und soll dann einfach nur liegen? Beim besten Willen, aber wie manche Menschen so denken können, werde ich vielleicht nie verstehen. Doch das ist wieder ein anderes Thema… Ein Menschenkind gehört in meinen Augen, in meiner Welt, einfach zur Mutter, zum Vater oder zu sonst einer vertrauten Person, die das kleine Engelchen trägt. Sobald das Kind anfängt zu krabbeln oder wie manche Kinder, direkt beginnt zu laufen, hat das permanente Tragen, ja meist sowieso ein vom Kind herbeigeführtes Ende. Selbst Tiere, welche sich nicht einem Verstand bedienen, sondern lediglich auf ihre Instinkte setzen können, werde viele Babys getragen.

Unpassende Anmaßungen

Was ich ebenfalls nicht so ganz verstehe: wie erwachsene Menschen einem Kleinkind schon eine bestimmte „Größe“ andichten können. Ich verstehe nicht, wie man über ein zweijähriges Kleinkind sagen kann, dass es schon zu „groß“ für dies oder jenes ist. Oder wie in diesem Fall, zum tragen zu groß sei. Ist das Kleinkind wirklich besonders groß in seiner Körpergröße oder wiegt besonders viel, dann kann ich diesen Einwand noch verstehen. Allerdings tue ich mir schwer, ein Kind nur aufgrund seines Alters (der sogenannten „Größe“) zu bewerten.

Natürlich will mein Sohn mit seinen 2 Jahren und ein paar Monaten auch nicht immer nur getragen werden. Aber gerade mittags fällt es ihm (und mir) einfach leichter, wenn ich ihn in die Trage nehme um ihn zum Mittagsschlaf „abzuholen“. Ansonsten lägen wir nämlich bestimmt 30-60 Minuten lang im Bett, ohne dass er daran denken würde das wir jetzt eine Mittagspause machen werden. Er ist in dieser Zeit wirklich schon wieder sehr müde und findet einfach nur schwer zur Ruhe. Deshalb reguliere ich kurzerhand von außen und meist schläft er binnen 3 Minuten in der Trage ein.

Tragen ist meist so gewinnbringend wie eine Narkose.

Abends handhaben wir es momentan ähnlich. Dies ist aber nur eine Momentaufnahme, denn bis vor kurzem wollte er ausschließlich liegend im Bett mit Brust im Mund, einschlafbegleitet werden.

Da wir in den letzten Wochen allerdings sehr viel mit anderen Kindern und wirklich viele Stunden am Tag draußen waren, habe ich das Gefühl, dass er die vielen neuen Eindrücke am Abend besser verarbeiten kann, wenn ich ihn auf den Arm nehme und mit ihm durch das abgedunkelte Zimmer laufe. Er braucht an solchen Tagen zum Teil wirklich sehr lange bis er einschläft und redet auch im Schlaf noch von den Ereignissen des Tages. Bevor ich ihn dann einschlafstille, reden wir noch über den Tag. Ich gehe Etappe für Etappe durch und wir sprechen nochmal über die besonderen Geschehnisse. Dann kuscheln wir, machen das Licht aus und schließlich nehme ich ihn auf meine Arme und trage ihn durch das abgedunkelte Zimmer. Wieso auch nicht?

Leben und leben lassen

Allerdings bitte auch den Kindern ihre Berechtigungen zu sprechen und nicht nur aufgrund des Alters (welches von vielen leider gar nicht wirklich bewusst wahrgenommen wird) Regeln oder Normen aufstellen. Ich selbst habe zum Beispiel bis ich 6 oder 7 Jahre alt war am Daumen gelutscht. Meine Eltern haben mir dies (soweit ich mich erinnern kann) nie absprechen wollen. Als ich mir dann den Arm gebrochen habe und einen Verband bekam, hatte sich das Thema Daumenlutschen von heute auf morgen erledigt.

Zwar kam es in meinem Fall ja doch irgendwie von außen regulierend, allerdings einfach durch Umstände und nicht durch Menschen um mich herum. Jeder Mensch ist einzigartig und sollte niemals nur aufgrund seines Alters bewertet werden! Die gegeben Umstände, das persönliche Temperament, die eigenen Bedürfnisse und noch vieles mehr, sollten immer mit berücksichtigt werden.

Alles Liebe!

Nina