Es ist nun schon das gefühlt vierhundertneununeunzigste Mal,  dass Mini-Me als Mädchen angesehen wird. Letztens erst: Mini-Me steht an der Rutsche und beguckt sich vergnügt die anderen Kinder. „Bruno, lass das Mädchen nun auch mal!!“, ertönt es von Brunos Oma. Ich schaue mich erstmal um und suche das Mädchen… Als ich merke, dass wohl mein Sohn gemeint ist, denke ich mir meinen Teil, lächle freundlich und signalisiere ihr, dass alles in Ordnung ist. „Bruno, jetzt lass aber das Mädchen wirklich mal dahin!!“ Erneut signalisiere ich ihr, dass alles ok ist. Mein Kind will gar nicht rutschen… Aber es hilft nichts. Auch ein drittes Mal wird Bruno aufgefordert sein Spielen zu unterbrechen. „Bruno, jetzt aber weg!! Das Mädchen will auch mal!!“

„Er ist ein Junge.“

„Ohhhhhhhhh“, lächelt Brunos Oma verschmitzt. Sichtlich unangenehm ist ihr zu mute. Ich versuche die Situation etwas zu „entschärfen“ und zeige Verständnis indem ich ihr sage, dass er ja auch wirklich „lange Haare“ hat. Erfreut nickt sie mir zu und sagt: „Ja, da haben Sie recht“. Plötzlich merke ich, wie auch ich lange Haare typirisiert habe… Ich ärgere mich ein wenig, denn schließlich sind lange Haare nicht nur etwas für Mädchen!

Mini-Me mag seine lockigen und etwa am Ohrläppchen endenden Haare!

Den meisten Menschen die zuerst dachten das Mini-Me ein Mädchen sei, war es sichtlich unangenehm. Bisher hat auch keiner von ihnen mir zu verstehen gegeben, dass wir ihm mal die Haare schneiden lassen sollten. Doch im privaten Umfeld gab es schon einige Kommentare aufgrund seiner „langen“ Haare.

„Lange Haare sind was für Mädchen…“

„Hui, mein Schatz – du hast aber lange Haare bekommen. Auch wenn es schön aussieht, aber du musst langsam mal ein Junge werden“.

Ähm…. Auch wenn das „nette“ Familienmitglied dabei lächelte, musste ich meinen Unmut Luft machen und die Person in die Schranken weißen. Denn es war genau die selbe Person, die meinem Kind drei Wochen vorher erklärt hat, dass er als Junge doch keine rote Sonnenbrille anziehen kann. Denn das wäre ja was für Mädchen.

Völlig unverständlich finde ich das Ganze und es ärgert mich dann doch sehr. Nicht das mein Kind von fremden Menschen als Mädchen angesehen wird, sondern das näherstehende Menschen so etwas zu meinem Kind sagen. Würden die jeweiligen Personen es mir leise ins Ohr flüstern und mich auf ihre Bedenken hinweisen, könnte ich damit  besser umgehen. Aber so, vor Mini-Me, ärgert es mich sehr oft. Ich möchte mein Kind frei erziehen und ihm keine Weichen stellen und Vorurteile in solcher Form mit auf den Weg geben.

Kennt ihr solche Situationen?

Alles Liebe! Nina