Das Kleinkinder auch noch über das zweite Lebensjahr hinaus fremdeln, ist normal und nicht ungewöhnlich. Allerdings zerrt es zugegeben, ab und an an den Kräften. Und zwar an den Kräften der ganzen Familie. Denn auch der Papa hat Gefühle. Er fühlt sich in solchen Phasen wertlos, denn er darf dem Kleinen manchmal nichtmal hallo sagen.

Schon seit seiner Geburt, ist Mini-Me ein absolutes Mamakind. Er wollte oft von niemand anderem getragen werden, geschweige denn ins Bett gebracht werden. Deshalb ist es auch bis heute so, dass ausschließlich ich ihn ins Bett bringe. Natürlich hat das auch mit unserer Stillbeziehung zu tun. Denn ohne Stillen, kein einschlafen.

Momentan hat Mini-Me wieder eine Phase, in der er sehr stark auf mich fixiert ist. Ihr kennt vielleicht diese lustigen Karikaturen, in denen eine Mama auf dem Klo sitzt und das Kind sich trotzdem um das Bein der Mama wurschelt. Oder wie sich eine Mama gern die Haare waschen möchte, doch das Kind direkt neben ihr steht und ihre Brust einfach nicht los lassen will…

Thats my life!

Denn genau so ist es bei uns auch. Papa darf mittlerweile eigentlich gar nichts mehr machen. Nicht einmal dem kleinen Mann etwas zu trinken geben. Mini-Me hat zwar mega Durst, aber wenn Mama ihm nichts zu trinken gibt, dann will er lieber gar nichts. Er würde eher verdursteten, als von Papa auch nur einen winzigen Schluck Wasser zu nehmen. Oder aber der Kleine hat sich weh getan, sitzt auf dem Boden und weint. Er möchte getröstet und auf den Arm genommen werden. Vielleicht hat er wirklich Schmerzen und braucht einen Kühlakku oder dergleichen. Dann kommt Papa, nimmt ihn hoch und möchte ich trösten. Aber das war dann auch schon das Schlechteste was er machen konnte. Mini-Me reißt sich los und setzt sich wieder weinend und diesmal auch schreiend auf den Boden. Er will eben nur von Mans hochgenommen und getröstet werden.

Und das geht bei ALLEM so.

Wenn wir abends gemeinsam im Bett liegen gibt er Papa ein Buch, was sich Papa dann ganz alleine anschauen muss. Papa ist es dann auch nicht gestattet das Buch vorzulesen. Er ist eben nur dabei, statt mittendrin.

Papa als Dekoration?

Ja, so könnte man es eigentlich beschreiben. Papa ist da. Aber auch nicht mehr und nicht weniger. Er freut sich zwar ihn zu sehen, spielt aber nur mit ihm wenn ich dabei bin und möchte auch sonst nicht von meiner Seite weichen. Das selbe gilt aber auch für andere Personen. Oma und Opa haben da das selbe Los gezogen.

Es gab aber auch schon Phasen, da war Papa ausdrücklich erwünscht.

In diesen Zeiten blieben die beiden auch allein zuhause und ich konnte in Ruhe einkaufen gehen. Es gab Tage, da waren beide allein mit dem Auto unterwegs, aßen etwas oder spielten den ganzen Abend zusammen Lego. Doch diese Phase ist derzeit nicht dran.

Es gibt Tage, da fragen wir uns als Eltern, was wir falsch machen. Ist Papa zu viel am arbeiten? Ist Mama zu „gluckig“? Streiten wir zu viel vor dem Kind? Woran liegt es, dass Mini-Me so abweisend zu anderen Menschen und selbst dem engeren Umfeld ist?

Wenn ich aber ehrlich zu mir selbst bin, dann weiß ich, dass Mini-Me und ich einfach einen guten Draht haben.

Ich kann gut auf ihn eingehen (ich bin schließlich den ganzen Tag mit ihm zusammen) spüre oftmals sehr früh seine Bedürfnisse und bin einfach viel gelassener als beispielsweise unser Umfeld. Die Familie ist oftmals eher streng und hat gewisse Vorstellungen wie ein Kind zu sein hat. Ich denke das Kinder solche Dinge spüren und sich eben für die Person entscheiden, die am besten die eigenen Bedürfnisse erfüllt. Und diese Person bin derzeit einfach ich. Natürlich ist es für andere Familienmitglieder schmerzhaft wenn das Kind oder der Enkel einen ablehnt. Das tut das Kind aber nicht aus Boshaftigkeit oder bösen Willen, sondern einfach aus seinem Instinkt heraus. Ein anderer Mensch gibt mir in diesem Moment einfach mehr Sicherheit als Papa oder die Großeltern. Irgendwann wird sich diese Phase dann auch schon wieder legen. Wichtige was finde ich nur, dass alle „am Ball“ bleiben und niemand das Kind für seine Gefühle verurteil! Außerdem gehört fremdeln zur ganz  natürlichen Entwicklung eines Kindes dazu.

Alles Liebe! Nina