Ein weiteres ganz starkes Buch, welches sich ausgiebig mit der Gewaltfreien Kommunikation befasst. Doch speziell in diesem Buch, geht es vielmehr um eine liebevolle Beziehung zu deinem Kind (aber auch zu dir selbst) auf direkter Augenhöhe. Eine klare Leseempfehlung!

Wir haben die Verantwortung für unsere Gefühle

Die Handlungen anderer Menschen können in uns Gefühle auslösen. Verantwortlich für unsere Gefühle sind wir selbst, andere Menschen sind selten die Ursache für diese Gefühle. Vielleicht sind andere Menschen der Auslöser dafür das wir uns ärgern, aber fast nie die Ursache, denn die liegt ganz allein bei uns. Wir können selbst entscheiden ob und wie wir damit umgehen. Die Gefühle, bei uns und bei unseren Kindern geben einen wertvollen Hinweis auf ein Bedürfnis, das hungrig oder erfüllt ist. Indem wir unsere Gefühle wahrnehmen, können wir unsere Bedürfnisse erkennen. Leider ist dies ziemlich schwierig für uns geworden, denn wir sind getrimmt gegen unser natürliches wahrnehmen zu arbeiten. Sei es der Fernseher der uns am Abend vor dem schlafengehen abhält, oder der zuckersüße Nachtisch, den wir in uns reinstopfen, obwohl wir schon lange satt sind.

Wenn wir unsere Bedürfnisse kennen, können wir eine Bitte aussprechen, dessen Erfüllung helfen kann, unser Bedürfnis zu erfüllen, falls wir mal nicht allein zur Erfüllung eines Bedürfnisses beitragen können.
Unsere Kinder brauchen bei diesem Prozeß unsere liebevolle Begleitung. Dabei können wir Vermutungen äußern, die unser Kind dazu einladen, zu erzählen, was gerade in ihm lebendig ist.

In sechs Schritten zum Aha.

Hanna zeigt in ihrem Buch keinesfalls mit dem Zeigefinger oder erklärt was gut oder was schlecht ist. Sie nimmt den Leser vielmehr an die Hand und zeigt mit Übungen, was sich in uns selbst verbirgt. Jedes Kapitel baut auf dem anderen auf und ist somit eine Steigerung. Viele Übungen laden zum Denken und Fühlen ein. Der Leser hinterfragt sich und seine Beziehung zum Kind in einer liebevollen Art und Weise, ohne Schuldgefühle zu erzeugen. Hanna gibt aber auch emphatische und liebevolle Tipps, wie wir eine bessere Beziehung zu uns selbst aufbauen können. Sie erklärt was es mit dem „inneren Kind“ auf sich hat und welche Bedeutung die eigene Kindheit hat.

Alte Erziehungsmuster, die eigene Kindheit im Nacken und oftmals ein trauriges Verständnis von Das muss so sein.

Als ich vor vielen Jahren beruflich in einer Grundschule tätig war, war mein Verständnis von Das muss so sein, ein ganz anderes als es jetzt ist. Ich war zu dem Zeitpunkt noch kinderlos und hatte absolut keine Ahnung, was denn überhaupt so sein muss. Strenge war meine Devise und paradoxerweise, wurde ich von den Eltern dafür auch noch gelobt.

Als die Kinder auf dem Pausenhof spielten, rannten und tobten und nach einer gewissen Zeit ihre Jacken auszogen, da es vermutlich ziemlich heiß für sie war, ermahnte ich sie die Jacken wieder anzuziehen. Das muss so sein. Das jeder Mensch ein eigenes Körperbewusstein hat, sogar in diesem Alter, war mir schlichtweg nicht bewusst.

Kinder sind Kinder und haben eben nicht besonders viel Ahnung geschweige denn überhaupt etwas zu sagen.

Dieses alte Denken, was einzig und allein meiner eigenen Kindheit geschuldet ist, konnte ich erst ablegen, als ich selbst ein Kind bekommen habe und tiefgreifender beurteilen durch Hannas Buch.

Heute schäme ich mich für dieses Verhalten den Kindern gegenüber und bin vielmehr verwundert, dass deren Eltern mich lobten, dass ich die einzige Erzieherin sei, die ihre Kinder dazu anhält die Jacken wieder anzuziehen.

Doch daran sieht man leider auch, wie wenig auf Kinder auch heute noch eingegangen wird. Kinder sind in unseren Breitengraden oftmals nur kleine Menschen, die nichts zu sagen haben. Dass Kinder aber durchaus wertvolles Gut in diese Welt tragen und wir erwachsenen Menschen so mit dem das muss so sein beschäftigt sind, übersehen wir oft wie wundervoll und vollkommen Kinder sind.

Kinder leben im hier und jetzt!

Kinder sind authentisch, zeigen Gefühle, wissen genau was sie brauchen und verlieren all diese wundervollen Eigenschaften erst durch uns Erwachsene. An dem oben von mir genannten Beispiel sieht man, wie ich schlimmerweise dazu beigetragen habe, den Kindern ein Stück Körpergefühl zu nehmen. Den Kindern war es nicht kalt, sie rannten und spielten und mussten ihr Bedürfnis nach Abkühlung hinten anstellen, weil ich die Erzieherin das so wollte. Es war ja schließlich Herbst und das man da keine Jacken auszieht, macht man eben so

Dich durch mein Herz sehen – Klare Leseempfehlung!

Im Besonderen hat es Hanna geschafft, dem Leser die innere Haltung der Gewaltfreien Kommunikation ins Herz zu legen, indem sie u.a. die Möglichkeit von Übungen eingebaut hat, zur Selbstreflektion einläd und viele Anregungen und Denkanstöße gibt.
Dich durch mein Herz sehen, ist berührend und hat mein Leben verständnisvoller und liebevoller werden lassen.

Erschienen im Tologo-Verlag.

Alles Liebe! Nina