„Es reicht. Stop! Ich kann nicht mehr.“ Welche Mama hat diese Sätze nicht auch schon einmal gedacht oder gar ausgesprochen? Ich muss zugeben, dass mir solche Dinge eigentlich fremd waren. Ich war weder überfordert, noch war mir mein Kind in irgendeinerweise zu viel. Ich war voller Leben, Liebe und Freude. Und sehnte mich von Herzen nach einem zweiten Baby. Der Gedanke an meine eigene (große) Familie war mein Antrieb. Mein Feuer. Er gab mir Licht und Halt. Doch je länger ich auf ein zweites Kind warten sollte und je schwieriger und kälter die Beziehung wurde, desto anstrengender wurde mein Kind und mein Leben für mich.

Das es mir mittlerweile fast 10 Monate nicht besonders gut geht, ist schlimm. Für mich, aber auch für mein Kind. Mini-Me kann sich mit seinen knapp 4 Jahren, an seine tolle Mama gar nicht mehr erinnern. Stattdessen kennt er eine gestresste Mama, die oft nicht kann wie sie will und sehr viel weint. Es gab Momente, da wusste ich das es besser werden würde. Es gab aber leider wesentlich mehr Momente, in denen ich nicht wusste wie es weitergeht. Gerade in diesen schweren Zeiten war mir Gott oft sehr sehr nah. Doch die Umstände und die Tatsache, dass gerade die Dinge die mir gut tuen würden, oft so weit weg scheinen, lässt die Hoffnung manchmal der Hoffnungslosigkeit weichen.

Ich kann nicht mehr wie ich will.

Ich will Kinder. Ich will Familie. Ich will frei sein, weg von Ängsten und Zwängen. Doch alleine schaffe ich es nicht. Ich schaffe den Alltag manchmal kaum, schaffe es manchmal nicht einkaufen zu gehen. Schaffe es manchmal nicht mich mit anderen Menschen oder gar meiner Familie zu treffen. Selbst das Essen fällt mir teilweise schwer. Zuhause fühle ich mich nicht besonders wohl. Und dort wo es mir gut gehen würde, da kann ich nicht hin. Mir fehlt Liebe. Der Zuspruch das es besser wird. Doch der kommt nicht, stattdessen gibt es Streit und Stress. Mir fehlen Freunde die mich aufbauen, doch zu selten rede ich über das was mich belastet. Mir fehlt es meinen Kummer los zu werden, ihn mit jemanden Teilen zu können.

Ich wünsch mir für Mini-Me wieder die alte Mama. Und das schmerzt. Mein Mamaherz weint wenn ich sehe, wie gern ich mit ihm wieder die tollen Dinge tun würde, die ich die Jahre vorher mit ihm gemacht habe, und es derzeit nicht schaffe.

Therapie, ein erster Erfolg.

Noch bevor ich die Therapie begann, gab es einen ersten riesigen Erfolg. Durch das tägliche beten mit meiner besten Freundin und das gemeinsame durchstehen der Problem, Ängste und Sorgen wurde ich stärker und kam langsam wieder auf die Beine. Dann begann ich zum Teil schon gestärkt die Therapie und spürte wie ich in Turbogeschwindigkeit wieder fit und gesund wurde.
Doch beides wurde schnell beendet. Meine Freundin fand keine Zeit mehr und meine Therapeutin ging in Pause. So wurde es langsam aber sicher wieder schlechter. Eine traurige Situation und ein ziemlicher Rückschlag.

Der Gedanke an eine Partnerschaft in der Liebe einen besonderen Platz hat, in der der gemeinsame Wunsch nach Kindern groß ist und in der man sich der Liebe sicher ist, gibt mir Kraft. Doch die Hoffnung darauf scheint weit weg zu sein. Stattdessen suche ich Hilfe. Oftmals Händeringend. Ich weiß was mir gut tuen würde, versuche es in Anspruch zu nehmen und werde abgewiesen. Es schmerzt und macht traurig. Wenn ich mir alte Bilder anschaue, vermisse ich mein weitgehend angstfreies Leben. Ich weiß was mir helfen würde und doch schaffe ich es nicht allein.

Muss ich es alleine schaffen?

Mit eines der wichtigsten Dinge die in der zugegeben kurzen aber trotzdem sehr hilfreichen Zeit der Therapie gelernt habe ist, dass ich es nicht alleine schaffen muss! Da wo ich mich schlecht fühlte, weil ich es eben nicht alleine schaffte, da sprach mir meine Therapeutin ins Herz und sagte, dass sie es alleine doch auch nicht schaffen würde. Wer könne das schon? Und damit hatte sie recht! Eine echte Erleichterung und Hilfe. Doch was ist, wenn man eben doch alleine ist? Oder sich zumindest so fühlt? Was, wenn man Hilfe sucht und sie einem verwehrt wird?

Machmal fehlt mir der Optimismus. Manchmal fehlt mir die Perspektive. Die Angst scheint groß. Doch Gott der bei mir ist, ist größer. Und das muss ich mir stets bewusst machen. Und zwar im Kopf und im Herzen. Menschen enttäuschen, das gehört eben auch zum Leben dazu. Nun beginnt der Neubau meines Lebens. Sinnbildlich gesprochen: Manche Knochen waren gebrochen und müssen nun stabilisiert werden. Das laufen funktioniert eben auch noch nicht immer so gut und lange Wege schaffe ich noch nicht allein. Alte Wunden wurden gereinigt und können nun endlich verheilen. Manche Wunde eitert vielleicht noch ein wenig, doch auch die werden wieder gesund. Ich werde es schaffen. Es braucht wohl nur mehr Zeit, als ich gerne möchte. Ich muss lernen, dass man eben nicht immer so kann wie man will und das man dankbar sein kann, für das Leben selbst.

Ich wünsche allen Mamas und Papas die dies gerade lesen und sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden, den Mut und die Kraft nach vorne zu schauen. Sucht euch Hilfe wenn ihr sie benötigt und lasst nicht zu, dass ihr Mutlos werdet. Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt. Philipper 4:13.

Alles Liebe!
Nina