Ich erinnere mich vage an eine Zeit, als mein Sohn mit etwas mehr als zwei Jahren von einer ansteckenden Krankheit in die nächste schlitterte. Angefangen bei Hand-Mund-Fuß, über Bindehautentzündung hin zur Erkältung. Dieser Zustand hielt einige Wochen an und wir waren quasi isoliert – logischerweise um andere Kinder nicht anzustecken. Eine Zeit, die mich ziemlich geschlaucht hat und die ich, so hoffte ich, nie mehr erleben müsste. Hätte mir jedoch jemand gesagt, dass ein ganzes Land, ja sogar die ganze Welt eine Pandemie erwarte, bei der eine Zeit lang fast alle Menschen in Quarantäne leben würden, hätte ich es nicht geglaubt. 

Gerade „richtig“, nämlich zum Zeitpunkt der Trennung zum Vater meines Sohnes und somit auch zum Umzug in eine neue Umgebung kam Corona und durch den Umzug, die viele Arbeit die damit zusammen hing und all den damit eingehenden Umständen, hatte ich zeitweise einfach keine Zeit und Kraft für mein Kind. 

Manchmal tat er mir schrecklich leid.

Gerade als Einzelkind vereinsamt man doch in solchen Situationen. Mini-Me lief den ganzen Tag neben mir her und sprach ein Wort nach dem anderen. Es gab kaum Minuten, in denen er mal nicht redete. „Mama, spielst du mit mir? Oder wollen wir raus gehen?“ Liebend gern hätte ich den ganzen Tag spielend mit ihm verbracht, doch der Umzug lies es einfach nicht zu. Wir vermissten die gemeinsamen Treffen mit unseren Freunden, wir vermissten unsere ehemaligen Nachbarn, überhaupt war die Quarantäne in der neuen Wohnung (mit unfassbar lauten Nachbarn…) eine einzige Katastrophe und dann musste ich mich in das Leben als Alleinerziehenden erst einmal einfinden. 

Und so fiel auch mir langsam die Decke auf den Kopf. 

Gott sei Dank hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon einen neuen Partner und so beschlossen wir, wenigstens für ein paar Tage, unseren Hausstand zusammen zu legen. Das klappte auch sehr gut, jedoch fehlten hier und dort einfach Spielsachen für Mini-Me. Trotz unserer wirklich langen und ausgedehnten Spaziergänge im Wald, unseren Radtouren, unseren Online-Treffen mit dem Kindergarten oder aber auch unseren heimlichen kurzen Treffen mit anderen Kindern, hatte ich das Gefühl, dass mein Sohn vereinsamte. Ihm fehlten andere Kinder, der Kindergarten, Freunde und Nachbarn zum spielen. Und zwar nicht nur für ein paar kurze Minuten, sondern für ein paar Stunden.

Ich als Mutter konnte ihm einfach nicht das gleiche geben, wie Gleichaltrige. Und ehrlich gesagt konnte ich irgendwann auch keine Kinderspiele mehr sehen. Mir als erwachsene Frau fehlten ebenfalls soziale Kontakte. Gespräche deren Inhalt nicht nur von Spielzeugautos, Kinderbüchern und leckeren Süßigkeiten geprägt waren.

Deshalb und weil mir manchmal auch einfach die Kraft fehlte, durfte Mini-Me in dieser Zeit vermehrt Fernsehen schauen.

Zugegeben, ein prickelndes Gefühl war es nicht ihn so oft vor dem Fernseher sitzen zu sehen. Doch ich wusste ja das es einfach der Situation geschuldet war und ich meine Kräfte auch einteilen musste. Im Nachhinein ärgere ich mich zwar, denn ich hätte so viele tolle Dinge mit meinem Sohn machen können. Wir hätten zum Beispiel malen, basteln, werken, wandern, sammeln, touren und so allerhand andere Sachen machen können und mein Sohn hätte vielleicht ein paar neue Hobbys entdecken können, doch die Umstände und meine zeitweise Kraftlosigkeit ließen es eben nicht zu. 

Mittlerweile geht er wieder in den Kindergarten und hat somit wieder ausreichend soziale Kontakte und auch ordentlich körperliche Betätigung. Die hatte er zuhause zwar auch, doch nicht in der Form wie er sie im Kindergarten hat. Er ist also auch wieder wesentlich weniger vorm Fernseher. 

Sich jedoch in langweiligen Situationen selbst zu beschäftigen fällt ihm trotzdem noch sehr schwer. Jedoch mache ich mir auch keinen großen Druck dahingehend, denn dieser kleine Mensch musste nicht nur die Corona-Quarantäne, sondern auch die Trennung seiner Eltern und einen Umzug verkraften. Das allein ist für mich schon Grund genug, ihn einfach mal in Liebe ankommen zu lassen und auch ohne Druck, Dinge stehen lassen zu können nicht zu ernst zu nehmen.

Wie verlief eure Corona-Zeit bisher und wie konntet ihr eure Kinder bei Laune halten?

Alles Liebe und viel Gesundheit.

Nina