Du bist gerade frisch gebackene Mama, hältst dein Kind verliebt in den Armen und bist dir ganz sicher: Ich mache es anders als meine Eltern. Du kannst nicht im geringsten verstehen, wie man auch nur ansatzweise genervt von seinem eigenen Kind sein kann. Du trägst die rostrote Brille und bist einfach nur verliebt bis über beide Ohren.

Doch schleichend, ganz langsam, wird das Kind immer älter und irgendwann hörst du dich Dinge sagen, die du doch nie sagen wolltest…

„Schatz, du nervst mich gerade!“

Schluck. Als ich diesen Satz aus dem Mund einer Freundin hörte, riss ich die Augen auf. Wie kann man als Mutter bloß so über bzw. mit seinem Kind sprechen, dachte ich mir damals. Es dauerte kein Jahr und ich ertappte mich selbst, wie ich ähnliches zu meinem Kind sagte.

Aber wie kann es sein, dass man einst so verliebt in sein eigenes Kind ist und sich später so aus der Fassung bringen lässt?

Ich habe nicht wenige Bücher über bedürfnisorientiertes „Erziehen“ oder gewaltfreie Kommunikation gelesen, habe allerhand Artikel von berühmten Pädagogen und Ärzten verschlungen und viele Diskussionen mit anderen Müttern geführt. Doch selbst schaffe ich es auch nicht immer cool zu bleiben. Mich nicht von meinen Emotionen leiten zu lassen. 

Corona und seine Folgen.

Gerade in Zeiten, in denen wir keine Zeit für uns selbst haben, unseren Hobbies weder nachgehen, noch unsere Wünsche erfüllen können, kommen eben auch wir an unsere Grenzen. Natürlich Grenzen. Wir sind Menschen und kein Kind wird jemals komplett unbeschadet aus seiner eigenen Kindheit kommen. Was wir als Eltern brauchen sind immer wieder Oasen der Freude. Momente der Ruhe. Zeiten der Liebe. Auch ganz bewusst kinderfreie Erlebnisse.

Denn nur wenn wir gut für uns selbst sorgen, können wir uns auch um andere kümmern.

Viele von uns haben mit Sicherheit die ein oder andere Quarantäne bisher schon überstehen müssen. 14 Tage ohne wirkliches Sonnenlicht, ohne direkte Kontakte zur Außenwelt, ohne die Berührungen von Freunden und Familie. Alleine in der Einsamkeit.

Gerade als Alleinerziehende, fallen mir solche Zeiten besonders schwer. Und gerade in Zeiten, in denen mein Fokus nicht auf den positiven Dingen liegt, sondern auf den vermeintlich so schlechten Umständen, sage ich Dinge, die mir im Nachhinein oftmals sehr leid tun. Ich erkenne dann plötzlich Dinge an mir, die ich aus meiner eigenen Kindheit kenne und die ich niemals zu meinem Kind sagen wollte.

„Hör auf zu heulen und stell dich wegen so einem Blödsinn nicht so an!“

Nicht nur das so ein Satz pädagogisch absolut haltlos ist, vielmehr zerstört er auch die Beziehung zu meinem Sohn. Da wo ich sonst Verständnis und Mitgefühl für seine Belange und ihn mit seinen Emotionen hatte (egal ob es für mich logisch und begreiflich war), da stehe ich ihm zunehmend kalt gegenüber. Ohne Liebe. Ohne Verständnis. Auch wenn der Grund für sein Verhalten in meinen Augen kein Verhältnis zum wirklichen Problem war, kann und darf ich ihm seine Gefühle nicht mit solchen Worten absprechen. Auch wenn ich mich nach diesen Worten bei ihm entschuldigt habe, weiß ich, dass sie trotzdem einen Einfluss auf ihn und seine Gefühle haben. Und auch auf meine. Mein Selbstbildnis als Mutter wird dadurch ebenfalls geprägt.

Was also kann ich tun, um meinen inneren Frieden zu bewahren?

Ich glaub zu allererst müssen wir uns der Problematik bewusst sein. Einige von meinen Freundinnen oder Bekannten, würden ihr Verhalten überhaupt nicht als Problem ansahen. Im Gegenteil. Sie würden vielleicht den Kindern die Schuld geben. Oder den Umständen. Doch nur wenn ich mir selbst eingestehe, dass ich einen Fehler begannen habe und ihn auch erkenne, kann ich ihn wiedergut machen und daran arbeiten, dass sich Dinge verändern.

Es ist wichtig, sich Ziele zu stecken. Wo möchte ich hin? Was möchte ich erreichen? Was fehlt mir ganz konkret? In meinem Fall ist es derzeit die Gesamtsituation. Mein Leben als Alleinerziehende gefällt mir nicht, vor allem die damit verbundene Einsamkeit, mir fehlt ein Hobby, die Umgebung in der ich lebe sollte möglichst auch nicht für immer die jetzige sein und zudem bin ich in einigen Punkten vom Leben und von meinen Freunden enttäuscht.
Ziemlich viele Punkte um sie alle auf einmal zu ändern. Doch wo setze ich an?

Ich setzte dort an, wo ich gerade stehe. Ich mache mir Pläne was verändert werden soll. Bete darum, gebe es Gott ab. Manches braucht seine Zeit. Und währenddessen tue ich was ich tun kann und Gott tut, was nur er tun kann.

In meinem Fall, habe ich bewusst angefangen mir wieder ein Hobby zu suchen. Etwas, dass mich erfreut, mir Spaß macht und an dem ich mich auch mal ablenken kann. Gegen die Einsamkeit habe ich leider noch nichts gefunden, eine neue Wohnung habe ich auch noch nicht und enttäuscht bin ich teilweise auch noch. Aber ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Punkt überhaupt hat sich wieder geändert: meine eigene Einstellung zu den Dingen.

Erinnerungen, schöne Bilder, die Natur. All das kann uns helfen, unsere Perspektive auf das Schöne und Gute zu lenken.

Wenn ich schon nicht die Situation direkt ändern kann, dann versuche ich wenigstens meine eigene Einstellung zu verändern. Manchmal braucht es etwas Zeit die neuen Wege im Gehirn zu bebauen, doch es lohnt sich. Wenn wir am Ball bleiben, unseren Fokus auf die richtigen Dinge lenken, in Kontakt zu uns – aber auch zu unserem Kind bleiben, uns darauf besinnen, dass auch Corona mal ein Ende haben wird, dann können wir vieles schaffen.

Alles Liebe. Nina.