Wie wichtig feste Wege und klare Linien für Lebewesen sind, wurde mir vor einiger Zeit wieder spürbar bewusst. Als ich alleine durch einen Wald im Nachbarort spazierte, kurz vom Weg abkam und mir nach kürzester Zeit fast schon mulmig zumute war, suchte ich schnurstracks wieder den vorgegeben Waldweg. Die Strecke die mir den Weg sowohl in, als auch aus dem Wald zeigen würde, bekam plötzlich eine zentrale und wichtige Rolle. Ich spürte, wie wichtig gegebene Wege und klare Strecken sind.

Und dann kam die Erkenntnis, dass ich meinem Sohn genau dieser Weg sein sollte. Die Richtschnur im Leben. Da wo die Welt unordentlich, verwüstet, kark und leer ist – da muss ich ansetzen und ihm das richtige Vorbild sein.

Doch ich bin nur ein Mensch und habe meine Grenzen. Ich bin von Grundauf begrenzt. Egal ob in meiner Position als Mutter, als Freundin oder als Tochter. Nie werde ich hunderprozentigen Einfluss auf „meine“ Welt und das Geschehen um mich herum haben. Ich kann zum Beispiel nicht wissen wie eine Situiation ausgehen wird oder wie auch nur allein schon der morgige Tag verlaufen könnte. Ich habe weder mein Leben, noch das meines Kindes in der Hand.

Wie gut, dass wir Gott in allem als Helfer, Heiler und als samt der Bibel als Richtschnur an unserer Seite haben. Die Welt ändert sich stetig. Doch Gott ist und bleibt der Selbe. Gestern, heute und in Ewigkeit. Bei ihm finden wir Ruhe, Zuflucht und eine gerade Linie.

Grenzen – meine und die meines Kindes

Aber nicht nur ich habe Grenzen, auch mein Sohn hat sie. Da wo er kurz abschalten und in Ruhe mit seinen Autos spielen möchte, da muss ich seine Grenzen wahren und ihn nicht zum aufräumen zwingen. Wo er kein Gemüse essen mag, da kann ich zwar versuchen es ihm schmackhaft zu machen, aber auch wenn er dann immer noch nicht möchte, darf ich ihn deshalb nicht zwingen.

Beziehung statt Erziehung

Regeln, Strukturen und Linien sind wichtig – im Alltag meines Kindes und in meinem. Ich gebe den Ton an und bestimme die Richtung, Abweichungen lasse ich aber dennoch zu. Ich versuche nicht starr zu sein und ihm innerhalb der Grenzen freie Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten und zu schaffen. Natürlich klappt das nicht immer und Streitereien gibts auch mal. Es ist für mich als Alleinerziehende auch nicht immer möglich alle Bedürfnisse gleichermaßen gut zu befriedigen. Manchmal ist es ein Drahtseilakt genau zu schauen, ob ich jetzt meine Bedürfnisse befriedigen muss, oder ob die meines Kindes wichtiger sind.

Denn per se finde ich nicht, dass die Bedürfnisse meines Kinder immer an erster Stelle stehen. Denn nur wenn ich selbst gut zu mir bin und auf mich, meine Bedürfnisse und wünsche achte, kann ich ein gutes Vorbild sein. Ganz zu schweigen davon, dass ich ohne all das, nicht gut auf mich selbst achten würde und irgendwann keine Kraft mehr für mein Kind und mich hätte.

Klara Ansagen und doch auf Augenhöhe mit meinem Kind!

Wie unperfekt ich bin, merke ich oft. Doch ich habe auch erkannt, dass mein Sohn mir viele Fehler vergeben kann, wenn ich mit ihm in Verbindung bin und auf Augenhöhe bleibe. Wenn ich Mensch bin und bleibe. Ihm meine Sicht erkläre, ihn sehe und wertschätze – auch wenn ich gerade anders handle als er es sich wünschen würde. Klare Ansagen schaffen eben auch klare Verhältnisse.

Alles Liebe. Nina.